TVS Raider 125 im Test - Wie schlägt sich der indische Neuling ?

Neues TVS 125er Naked Bike - Wie performt die Raider im Test ?

In der vergangenen Woche durfte ich die TVS Raider 125 testen. TVS ist ein Hersteller mit Ursprung in Indien, der sich nun weiter auf dem europäischen Markt etablieren möchte. Da ich zuvor keinerlei Erfahrungen mit anderen Motorrädern der Marke gesammelt habe, konnte ich sowohl gespannt als auch unvoreingenommen an den Test heran gehen. Aber wie genau performt denn nun das exotische 125er Naked Bike ?

Werbung
powered by Triumph CH
Mehr erfahren

"Der Plünderer" - rabiate Bezeichnung, drollige Leistung

TVS wirbt mit sportlicher Leistung und erstklassiger Performance des Motorrads innerhalb seiner Klasse. Der 125 ccm Motor ist nach mehreren Testfahrten jedoch eher als recht durchschnittlich einzuordnen. Die Beschleunigung von 0 auf 100 kmh in 24,5 Sekunden kommt beispielsweise nicht gegen die Leistung der 2017er Duke 125 mit deutlich kürzeren 17 Sekunden an. An sich fährt man mit der Raider jedoch ohne Probleme von A nach B und vor allem im Stadtverkehr reicht auch das maximale Drehmoment von 11,2 Nm bei 6000 U/Min vollkommen aus. Auch der 10 Liter Tank bietet dank des niedrigem Verbrauchs der Raider eine Reichweite, die für Alltag, sei es der Weg zur Schule oder zur Arbeit gut geeignet ist. Mit ihren 123kg ist die Maschine zudem recht leicht und auch die schmale Silhouette trägt zur Agilität bei.

In Kombination mit den schmalen 17 Zoll Reifen, die ebenfalls von TVS gestellt werden, neigt die 125er aber zur Instabilität. Das erschwerte Halten der Spur in weiteren Kurven und trägt vor allem für Fahranfänger nicht wirklich zum sicheren Fahrgefühl bei. Die Vorspannung des Monoshock-Federbein ist in fünf Stufen einstellbar, die Telegabel in der Front ist, nicht verstellbar. Damit bietet die Raider ein klassenübliches Fahrwerk. Durch die Geometrie des Motorrads, das agile Handling und den unaufgeregten, coolen Look, denkt man hier beinahe an ein Spielzeug gewordenes Bike. Grossen Piloten könnte die Maschine etwas zu zierlich geraten sein. Probesitzen oder noch besser -fahren wird definitiv angeraten.

Ein puristisches Bike ohne Fahrhilfen

Zudem vermisst man bei der Raider sowohl ABS als auch Traktionskontrolle, was bei verschmutzter und/oder nasser Fahrbahn ebenfalls von Nachteil ist. Ich persönlich habe das Fahren ebenfalls ohne Hilfssysteme erlernt, was mir heute ein besseres Gefühl für das Motorrad gibt. Jedoch blieb auf diesem Weg, das ein oder andere Malheur nicht aus und es gab blaue Flecken, mit der Raider ging jedoch alles gut. Letztendlich muss der Fahranfänger selbst entscheiden, welchen Ansatz er hier wählen möchte und welche Assitenzsysteme er benötigt.

Die sonstige Ausstattung der Raider ist mit den LED Leuchten an Front und Heck, sowie einem LC Display in der Basisversion im Vergleich zur Konkurrenz recht spärlich. Dass das Motorrad laut Hersteller für grob geschätzte 2.500 Euro auf den Markt kommen soll, klingt hingegen in Zeiten wo 125er Bikes die 5.000 Euro Marke durchbrechen, sehr appetitlich. Sparfüchse können über das fehlende ABS, oder die Traktionskontrolle hinwegsehen. Bei der Raider ist jeder Pilot seines eigenen Glückes Schmied.

Start - Stopp - System - ein Pluspunkt der Raider 125 ?

Als interessantes Gadget liefert das Bike die Wahl zwischen zwei Modi: Eco und Power. Die Eco Einstellung überrascht mit einer Start Stopp Funktion, die nach wenigen Metern automatisch aktionsfähig wird. Kommt man dann an der Ampel oder im Verkehr zum Stehen, so schaltet sich der Motor nach wenigen Sekunden aus. In puncto Klimaschutz punktet die Raider hier definitiv.

Leider gestaltet sich das Antreten der Weiterfahrt zu Anfang eher verwirrend, da das Zusammenspiel von Kupplungshebel und Gashahn nicht immer die Antwort zu sein scheint, um das Motorrad wieder zum Laufen zu bringen. Auch die Website des Herstellers und Foren liefern (noch?) keine genaueren Informationen. Zudem nimmt der Eco/ Power Schalter den Platz ein, der üblicher Weise dem Kill Switch vorbehalten ist. Der Motor lässt sich daher über den Zündschlüssel oder das Aufstellen des Seitenständers ausschalten.

Fazit - ist die TVS Raider 125 eine gute Wahl ?

Auch wenn bisher einige Punkte an der Raider bemängelt wurden, war das Fahr-Erlebnis an sich weit weg von einer Katastrophe. Für Fahrer, die Erfahrung und eine gefestigte Sicherheit mitbringen, kann eine Tour mit der günstigen 125er kaum schief gehen. Grundsätzlich darf man von 125ern keine bestialische Performance erwarten und im Endeffekt verrichtet auch die Raider ihre Arbeit absolut zufriedenstellend.

Unsichere Fahranfänger sollten hingegen abwägen, worauf sie bei einer 125er Wert legen (und wie dick der Geldbeutel ist). Am Gebrauchtmarkt finden sich mittlerweile bereits um 2.500 Euro A1-Maschinen mit ABS auch wenn die Auswahl noch klein ist und die Fahrzeuge schon ein paar Jahre und einige Kilometer am Buckel haben.

Fazit: TVS Raider

Als günstiges Alltagsmotorrad für kürzere Strecken ist die Raider an sich völlig ausreichend. Fehlende Attribute wie ABS, Traktionskontrolle, Kill Switch könnten Fahranfänger abschrecken. Beim Fahren präsentiert sich die Raider grundsätzlich unauffällig, jedoch macht sich in flott gefahrenen Kurven Instabilität bemerkbar. Funktionen wie das Start Stopp System oder zwei Fahrmodi machen die Raider besonders, wobei die Handhabung etwas Übung erfordert.


  • wenig Gewicht und passable Tankkapazität
  • schmale, agile Form
  • umweltfreundlicher Ansatz durch Start Stopp System
  • ausreichend Leistung für Stadtfahrten
  • niedriger Preis
  • angenehme Sitzposition
  • Neigung zur Instabilität bei flotter Kurvenfahrt
  • kein ABS, TCS
  • teilweise zickige Gangschaltung
  • etwas unintuitives Start Stopp System
  • kein Kill Switch

Bericht vom 04.06.2024 | 9.482 Aufrufe