BMW R 12 S Test 2025

Warum uns Retro-Bikes so stark anziehen!

Die R 12 S ist ein Retro-Motorrad, wie es im Buche steht. Im Zuge des ersten Tests gehe ich der Frage nach warum uns klassischen Formen so ins Herz fahren.

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Exkurs vorab: Warum schätzen wir wirken runde Formen mehr als eckige?

Runde Formen, wie sie an der BMW R 12 S zu sehen sind ziehen die Aufmerksamkeit auf eine besondere Weise an. Sie wirken sanfter, einladender, oft sogar beruhigend. Im Gegensatz dazu vermitteln eckige Formen eine gewisse Härte, Strenge oder Abgrenzung.

In der Natur sind runde Formen allgegenwärtig. Die geschwungenen Linien von Blättern, die sanften Kurven eines Flusses oder die runde Form von Früchten alles wirkt organisch, fliessend, harmonisch. Eckige Strukturen sind seltener und werden oft mit Brüchen oder Gefahr assoziiert, wie scharfkantige Steine oder Dornen.

Auch in der Architektur und im Design wird dieser Effekt bewusst genutzt. Autos mit weichen, aerodynamischen Linien wirken moderner und dynamischer. Möbel mit abgerundeten Kanten strahlen Wärme und Gemütlichkeit aus. Selbst in der Technik setzen viele Unternehmen auf sanfte Rundungen vom Smartphone bis zur Benutzeroberfläche von Apps, die durch ihre weichen Formen angenehmer und intuitiver erscheinen. Das Gehirn reagiert auf diese Unterschiede. Studien zeigen, dass runde Formen das Belohnungssystem stärker aktivieren, während eckige Elemente oft unbewusst mit Vorsicht oder Skepsis wahrgenommen werden.

Letztlich beeinflussen Formen, wie wir unsere Umgebung erleben. Runde Linien stehen für Offenheit, Sicherheit und Harmonie. Sie machen eine Gestaltung nicht nur optisch ansprechender, sondern auch emotional zugänglicher.

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Retro: Ein ungebrochener Trend nicht nur im Motorradbereich - Woran liegt das?

Nostalgie ist ein prägender Designtrend, der besonders in Krisenzeiten Menschen ein Gefühl von Geborgenheit vermittelt. In Mode, Möbeln, Musik und Markenidentitäten erleben Retro-Ästhetiken eine Renaissance, da vertraute Elemente emotionale Sicherheit bieten. Designer lassen sich von historischen Logos, Plakaten und Büchern inspirieren, während Secondhand-Mode durch Nachhaltigkeit boomt. Auch im Fahrzeugdesign zeigt sich dieser Trend, konkret referenziert die BMW R 12 S, die legendäre R 90 S aus 1973.

Nostalgie kann Design bereichern, solange sie reflektiert eingesetzt und mit einer zukunftsorientierten Perspektive kombiniert wird. Solche Designs wecken Erinnerungen an vergangene Epochen, ohne auf moderne Technik zu verzichten, wofür die R 12 S als Beispiel wunderbar stehen kann.

Ist die BMW R 12 S eine würdige Nachfolgerin der R 90 S? Ein Rückblick auf die Legende

Die BMW R 90 S, produziert von 1973 bis 1976, gilt als erstes Supersportmotorrad von BMW und setzte damals neue Massstäbe in ihrer Klasse. Mit ihrem luftgekühlten 900er-Zweizylinder-Boxermotor leistete sie 67 PS und erreichte eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 200 km/h. Die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in 4,8 Sekunden war für die damalige Zeit beachtlich. Technische Innovationen wie die serienmässige Halbschalenverkleidung verbesserten nicht nur die Aerodynamik, sondern markierten auch einen stilistischen Wandel, denn zuvor waren Verkleidungen meist nachträgliche Modifikationen. Zudem war die R 90 S eines der ersten BMW-Modelle mit einer Doppelscheibenbremse an der Front, während Trommelbremsen zu jener Zeit noch weit verbreitet waren. Neben ihrer Fahrleistung überzeugte sie auch mit einer für die Zeit hochwertigen Federung. Heute hat die R 90 S ihren Status als Supersportler längst abgelegt und wird vor allem aufgrund ihres Designs geschätzt. Besonders die ikonischen Farbvarianten Silbergrau und Daytona-Orange haben dazu beigetragen, dass sie sich als begehrter Klassiker etabliert hat. Gut erhaltene Exemplare der R 90 S werden am Gebrauchtmarkt hoch gehandelt, was ihren besonderen Stellenwert in der BMW-Historie unterstreicht.

Optik und Verarbeitung der BMW R 12 S

Die R12 S verbindet klassische Retro-Elemente mit modernen Designmerkmalen. Besonders auffällig sind die Zweiton-Lackierungen, das sportliche Heck und das kompakte Windschild, das nicht nur optisch überzeugt, sondern auch einen gewissen Windschutz bietet. Der charakteristische Doppelauspuff fügt sich harmonisch in das Gesamtdesign ein und unterstreicht den sportlichen Anspruch der Maschine.

BMW setzt hier grundsätzlich auf eine hochwertige Verarbeitung etwa bei den zum Niederknien schönen Chrom-Speichenfelgen, was es noch unerklärlicher macht, dass man in einigen Bereichen Kunststoff verwendet darunter das Hitzeschutzblech, die Seitenabdeckungen und der vordere Kotflügel. Auch der ungenierte Einsatz des Baukastenprinzips stösst hinsichtlich des stolzen Preises etwas sauer auf. Die Armaturen am Lenker sind baugleich mit denen an der F 900 R, die deutlich weniger als die Hälfte des Nobelhobels kostet.

BMW R 12 S: Ergonomie und Sitzposition

Die BMW R12 S präsentiert sich als sportlicher Roadster mit einer durchdachten Ergonomie, die einen Kompromiss aus dynamischem Fahren und Langstreckentauglichkeit zum Ziel hat. Die Sitzhöhe von 795 mm macht das Motorrad auch für kleinere Fahrer gut zugänglich, während der breite Lenker für eine aufrechte und kontrollierte Sitzhaltung sorgt. Dies verbessert die Manövrierbarkeit im Stadtverkehr und bietet eine entspanntere Haltung auf längeren Strecken. Der Kniewinkel fällt weniger spitz aus, was den Komfort steigert, insbesondere bei längeren Fahrten. Allerdings kommt die S dem in diese Abkürzung gelegten sportlichen Anspruch nicht vollends nach. Ambitionierte Fahrer werden die relativ früh aufsetzenden Fussrasten als Einschränkung in Kurven empfinden.

Motor, Elektronik und Fahrmodi auf der R 12 S

Die BMW R12 S wird von einem luft-/ölgekühlten Zweizylinder-Boxermotor mit 1.170 cm³ Hubraum angetrieben, der 109 PS leistet. Im oberen Drehzahlbereich entfaltet der Motor eine spürbare Leistungssteigerung, wodurch sich die Maschine insbesondere bei höheren Geschwindigkeiten sehr lebendig anfühlt.

Man darf sich vom klassischen Auftritt und den zwei Rundinsturmenten im Cockpit nicht täuschen lassen. Die BMW R 12 S ist mit einer modernen Elektronik ausgestattet, die sowohl Komfort als auch Sicherheit unterstützt. Serienmässig verfügt sie über schräglagenabhängiges ABS und Traktionskontrolle, was für eine verbesserte Stabilität in Kurven sorgt. Zudem bietet das Motorrad einen Tempomat für entspannte Langstreckenfahrten und ein Kurvenlicht, das die Sicht in Kurven bei Nachtfahrten verbessert. Der Quickshifter ermöglicht nahtlose Gangwechsel ohne Kuppeln (jedoch nicht ohne Ruckeln, vor allem beim Runterschalten ist das boxertypisch wirkende Kraftmoment deutlich spürbar und bringt etwas Unruhe in die Fuhre) , während die Heizgriffe den Fahrkomfort an kalten Tagen erhöhen. Die Hill Start Control erleichtert das Anfahren an Steigungen, selbst ein Reifendrucksensor ist optional erhältlich. Der altbekannte Motor erfüllt zudem die strenge Euro 5+ Norm, wodurch das Motorrad auch in Zukunft emissionsrechtlich gut aufgestellt ist.

Drei Fahrmodi Rain, Road und Dynamic stehen zur Verfügung. Während der Road-Modus eine sanfte Gasannahme bietet, sorgt der Dynamic-Modus für eine direktere und kraftvollere Leistungsentfaltung. Allerdings ist die Abstimmung der Gasannahme im Modus Dynamic zu abrupt ausgefallen, was insbesondere beim Versuch, in Kurven sanft Gas anzulegen, auffällt.

Fahrverhalten und Handling der BMW R 12 S

Dank des ausgewogenen Fahrwerks und des breiten Lenkers überzeugt die R12 S mit präzisem Feedback und einer stabilen Strassenlage. Der durch den Boxermotor tiefe Schwerpunkt des Motorrads erleichtert das Handling, insbesondere bei niedrigen Geschwindigkeiten und in engen Kehren. Durch den guten Lenkeinschlag ist auch das Rangieren im Stand trotz des Gewichts von über 220 kg problemlos möglich. Entgegen ihrer sportlichen Optik bleibt die R12 S somit ein alltagstaugliches Motorrad, das sich sowohl für die schnelle Kurvenhatz als auch für längere Ausfahrten eignet.

Amelies Meinung zur BMW R 12 S

Amelie zeigt sich von der BMW R 12 S insgesamt sehr angetan, bevorzugt allerdings eine etwas harmonischere Motorabstimmung. Besonders gefällt ihr die sportliche Sitzposition mit dem guten Knieschluss an den Einkerbungen des Tanks, was für ein integriertes Fahrgefühl sorgt. Im direkten Vergleich zur R 12, die sie bereits bei der Balkenrallye gefahren ist, fällt ihr allerdings auf, dass das Mapping der R 12 S nicht ganz ihren Erwartungen entspricht insbesondere die Gasannahme im Road-Modus empfindet sie als zu unsensibel, was sich in Kurvenfahrten störend bemerkbar macht. Der breiter Lenkser stellt für sie trotz ihrer Körpergrösse von 1,76 m kein Problem dar, und auch das Gewicht des Motorrads wirkt durch den guten Lenkeinschlag und das insgesamt ausgewogene Handling nicht hinderlich.

Optisch begeistert sie das Motorrad besonders, es gehört für sie zu den schönsten Maschinen, die sie bisher testen durfte. Sie sieht Parallelen zur R nineT, die ihr Vater in der Aluminium-Version besitzt, schätzt aber an der R 12 S vor allem das gelungene Zusammenspiel aus Retro-Elementen und modernen Designmerkmalen wie der Zweiton-Lackierung, dem sportlichen Heck und dem Doppelauspuff.

Wer jetzt Lust bekommen hat sich bei BMW im Konfigurator umzusehen, sollte das nötige Kleingeld parat haben.

Fazit: BMW R 12 S 2025

Mit der R 12 S ist BMW ein begehrenswertes Spitzenmodell der R 12 Reihe gelungen. Ein Feelgood-Motor gepaart mit hochwertigen Komponenten und grandioser Optik, zaubern ein Grinsen unter den Helm. Die Speziallackierung versetzt einen in die Zeit des ersten verkleideten BMW Motorrads, der legendären R 90 S, zurück. Fahrdynamisch ist die BMW dank diverser Features absolut am Puls der Zeit. Wer das S als Hinweis auf aussergewöhnliche Sportlichkeit deutet, wird mangels Schräglagenfreiheit möglicherweise enttäuscht. Alle anderen werden mit dem Augenschmaus R 12 S wirklich glücklich werden, sofern der Geldbeutel prall genug gefüllt ist.


  • potenter, charaktervoller Boxermotor
  • Elektronik hochmodern
  • Retro-Charme der 70er
  • Quickshifter Serie
  • toller Knieschluss
  • komfortable Ergonomie
  • perfekt abgestimmte Bremsanlage
  • klassische Rundinstrumente im Cockpit
  • Dynamic-Modus nicht ideal abgestimmt
  • mehr Kunststoff als gedacht
  • lieblose Armaturen am Lenker
  • Schräglagenfreiheit begrenzt
  • abgehobener Preis

Bericht vom 08.03.2025 | 19.095 Aufrufe

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